Ab in den Süden…

„Yo escribo“ – ich schreibe. So habe ich es eben auf Spanisch bei Duolingo gelernt. „Ich schreibe einen Blog“ soweit bin ich dort noch nicht und das ist auch auf Deutsch absolutes Neuland für mich. Naja, jedes Abenteuer beginnt mit einem ersten Schritt und Übung macht die Meisterin. Ich hoffe es jedenfalls für unsere liebe Leserschaft. Unser Abenteuer  „212tagewoanders“ begann vor zwei Tagen um 10.00 Uhr morgens mit unserem Aufbruch gen Süden. Oder am 14.Februar als Oliver unseren Wohnwagen, genannt Luise, aus dem Winterquartier holte? Oder im letzten Sommer als Oliver und ich unseren Sommerurlaub in und mit Luise so durchweg genossen haben und entschieden, dass wir uns dieses rollende Zuhause auch für länger vorstellen können? Oder am 11.Mai letzten Jahres als uns der Kauf unserer 3 Jahre alten und schwäbisch sagenhaft ordentlich behandelten Luise so kribbelig glücklich gemacht hat? Oder gar im Jahr 2016 als wir auf La Gomera 125 Jahre Maria & Oliver gefeiert haben (50+50+25gemeinsame) und dabei überlegten, wann das nächste Forschungssemester ansteht und ob wir es erstmalig – dann den vordergründigen Elternpflichten entbunden – so richtig auskosten würden?

Wie dem auch sei, irgendwann hat es angefangen allen Fragen, Zweifeln und Corona-Sorgen zum Trotz und dank riesengroßer Vorfreude, ein wenig Blauäugigkeit (tatsächlich sind sie braun) und Neugier und tiefer Dankbarkeit über unsere Möglichkeiten.
Die Schweiz hat dabei von Anfang an für Entschleunigung gesorgt, sind dort doch für Fahrzeuge mit Hänger 80 Stundenkilometer vorgeschrieben, was Oliver zunächst wie Stillstand vorkam, aber meinem langsameren Fahrstil sehr entgegenkommt. Luise eventuell auch – konnte sie sich doch an die 1714 kg Zuglast erst einmal wieder gewöhnen. Ja, wir sind 86 kg unter unserem Gewichtslimit geblieben, das heißt sogar noch einiges mehr, weil wir auch die zulässige Nutzlast für unser Auto nicht ausgeschöpft haben. Also bleibt noch Platz für Wein und Steine….. oder einen Gast.

Bevor ich mich wieder ganz dem Schauen widme – gerade fahren wir in der Gegend von Murcia durch schier grenzenlose Weite – schreibe ich noch von der Be-Schleunigung, die wir erfahren in den drei Tagen unserer Reise: wir sind vom Winter mit der Vorfreude auf sein Ende (und Karlsruhe und Freiburg sind Konstanz da auch dieses Jahr wieder mindestens 2 Wochen voraus), in den Frühling katapultiert worden, haben in Frankreich die ersten Obstbaumblüten bestaunt, um heute durch Frühsommer zu fahren und nach Valencia in schier israelische Verhältnisse mit erntebereiten Orangenplantagen und silbrigen Olivenhainen zu kommen. Die rosa Flächen blühender Mandelbäume sind hier schon wieder Zeichen kühlerer Lokalgegebenheiten. 

Unser erstes Quartier in Aix-les-Bains

Bei so starker Entschleunigung und Beschleunigung und bis jetzt (halb fünf am Donnerstag nachmittag) 1818km fern der Heimat braucht es Pausen, ganz besonders nächtliche. Deshalb noch ein paar Worte zu unseren Übernachtungen. Bewusst hatten wir uns unabhängig von Campingplätzen gemacht und zwei mal ein Bed&Breakfast ausgesucht. Im französischen Drumettaz-Clarafond in der Nähe von Aix-les-Bains in den Savoyen haben wir in einem kleinen Château genächtigt („Château du Donjon“ für die, die es genau wissen wollen und bei Gelegenheit einen Zwischenstopp mit jahrhundertelanger Geschichte bevorzugen – und guter Matratze) und am Mittwoch morgen allerfeinste Croissants genossen.

Die Bio-Farm mit dem unmöglichen Eingang…
Morgenstimmung kurz nach Sonnenaufgang

Die spanische Bio – Chilli – Farm in der Nähe von Tarragona, die sich im Internet sehr nett, wenn auch nicht perfekt als Pension darstellt, hat uns das Ankommen dagegen am zweiten Abend sehr schwer gemacht. Und das nach einem Fahrtag von 800km, der zwar gut, aber doch sehr anstrengend gewesen ist und uns zu dem Versprechen uns selbst gegenüber veranlasste, nur im Notfall wieder eine solch lange Strecke an einem Tag zurückzulegen.

Ja, das Ankommen war deshalb schwierig, weil das 20 Hektar große Anwesen mehrere alte Zugänge hatte, von denen nur einer für Luise breit genug war, die Mitarbeiter nicht telefonisch erreichbar waren und wir auf der Suche nach dem Tor in immer enger werdenden Sträßchen schließlich steckengeblieben sind. Es dämmerte schon, zurück ging es nicht und voran auch nicht, der einzige buchstäbliche Ausweg um eine enge Kurve und eine steile Straße hinunter. Meine Nerven lagen blank, aber Oliver war fast die Ruhe selbst und Dank Mover (kleine, sehr starke ferngesteuerte Elektromotoren, mit deren Hilfe man Wohnwagen bewegen kann) gelang es uns der Enge zu entkommen. Anschließend kam auch ein Kontakt mit den Chillimen zustande und zu guter letzt mussten wir doch nicht am Straßenrand übernachten, sondern schliefen fernab vom Straßenlärm in tiefer Stille unserem dritten Reisetag entgegen. Ganz so war es leider nicht – die Hunde der Farm nahmen ihren Job sehr ernst und mischten unsere Träume durch ihr Bellen gehörig auf. Dennoch machten wir uns mit neuer Kraft auf den Weg durch das herrliche spanische Hügelland.

Und warum Oliver nur fast die Ruhe selbst war? Naja, er plädiert dafür, daß nächste Mal ein schnödes Hotel mit großem Parkplatz zu nehmen, gut ausgeschildert und mit 24h-Rezeption.

Endlich angekommen bei Mojacar

Ein Gedanke zu “Ab in den Süden…

  1. Avatar von Susanne Susanne schreibt:

    Ihr Lieben! Endlich der erste Eintrag , ich war schon so gespannt, wie es euch bisher ergangen ist … und freue mich zu lesen, dass ihr mit Luise (hatte mich schon gefragt wie er/sie/es wohl heißt 😉 nun erst mal gut angekommen seid!
    Lebt euch gut ein und lasst bald wieder von euch hören!! Allerliebste Grüße aus der Heimat/Hegne

    Like

Hinterlasse einen Kommentar